Fixpunkt, erschienen in der RZ am 27.03.2026:Zwischen Hosanna und Kreuzige ihn

„Hosanna dem Sohne Davids!“ mit diesem Ruf beginnen wir zusammen am Sonntag die Karwoche. Jesus zieht in Jerusalem ein und die Menschen rufen ihm zu. Sie setzen allerhand Erwartungen in ihn den Hoffnungsträger und Wundertäter, der ihr Leben verändern und vielleicht sogar retten kann. Dieser Moment ist ein Moment des Aufbruchs und der Sehnsucht nach einem neuen und besseren Morgen.
Nur wenige Tage später schon kippt die Stimmung im Volk spürbar um. Aus dem „Hosanna“ des Palmsonntags wird ein harsches „Kreuzige ihn!“ Was gerade noch die Menschen mit Freude erfüllt hat, ist plötzlich verschwunden. Die Begeisterung der Menschen weicht der Enttäuschung und vielleicht auch einer Ernüchterung, dass Jesus gar nicht den Erwartungen entspricht, die die Menschen in ihn gesetzt haben.
Diese Spannung, gerade im Verlauf einer konkreten Woche, irritiert uns. Wenn ich ehrlich bin, kommt sie mir aber selbst auch sehr bekannt vor, wenn ich auf große Enttäuschungen in meinem Leben schaue, oder die Welt voller Krieg und Leid betrachte. Auch wir kennen solche Bewegungen in unserem Leben in Momenten in denen wir hoffen und vertrauen und doch gleich wieder zurückrudern und unser Vertrauen in andere und in Gott in Frage stellen. Manchmal gibt es Momente in denen stehen wir selbst auf der Seite des „Hosanna“ und manchmal auch erschreckend nah am „Kreuzige ihn!“.
In der Karwoche wird genau diese Spannung thematisiert. Sie bringt uns in Kontakt mit dem, was schwer auszuhalten ist, nämlich dem Scheitern, der Schuld und auch letztendlich dem Tod. Das „Kreuzige ihn!“ steht am Schluss und bleibt trotzdem nicht das letzte Wort.
Das Osterfest erzählt uns, dass Gott diesen Weg selbst zu Ende geht. Er bleibt in diesem Bruch nicht stehen und lässt uns Menschen nicht fallen, sondern er verwandelt ihn. Aus dem schmerzvollen Ort des Todes wird eine Quelle des neuen Lebens und der Freude. Genau hier wächst ein Ort der Hoffnung, die das neue Leben trägt.
Aus dem „Kreuzige ihn!“ wird nicht dasselbe „Hosanna“ wie zuvor, sondern ein Ruf, der gereift ist. Es ist ein „Hosanna“, das auf die Erfahrung baut: Gott ist bei mir, nicht nur in den hellen Momenten meines Lebens, sondern auch im Scheitern und auch im Ende und er führt mich hindurch.
Die Osterzeit lädt uns ein, diesem neuen Vertrauen und neuen Leben Raum zu geben. Vielleicht nicht direkt in den großen Jubeltönen aber doch mit der Hoffnung, dass mit Gottes Beistand sich auch in unserem Leben das verwandeln kann, was festgefahren scheint.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest und auch die Erfahrung, dass neues Leben mitten im Alltag wachsen kann.

