Fixpunkt, erschienen in der RZ am 23.01.2026:Aus christlicher Hoffnung

Das noch junge Jahr 2026 liegt vor uns – weiter Horizont, voller Möglichkeiten und durchaus verletzlich und zart wie das Kind in der Krippe, das ich noch vor Augen habe. Die ersten hinterlassenen Spuren des Jahres konnten wir nicht nur im Schnee sehen oder spüren.
Viele Wünsche begleiten den Januar, aber auch Sorgen und Eindrücke, die wir aus dem vergangenen Jahr und aus diesen Tagen mitnehmen. Die christliche Hoffnung blendet diese Wirklichkeit nicht aus. Sie kennt die Realität und steht mit beiden Füßen mittendrin. Und genau darin liegt ihre Kraft. Hoffnung im christlichen Sinn ist mehr als Optimismus, ist mehr als eine Beruhigungstablette. Sie gründet nicht auf Zahlen, Plänen oder Sicherheiten, sondern auf der Zusage Gottes: Ich bin da. Diese Zusage gilt nicht nur für helle und schöne Stunden, sondern gerade für Zeiten der Ungewissheit oder in Dunkelheit. Sie gilt für Zeiten, in denen ich Lasten auf meinen Schultern trage. Gott verspricht keinen Weg ohne Dunkelheit, aber einen Weg, auf dem niemand allein bleibt. Zuversicht wächst im Vertrauen darauf, dass Gott uns begleitet – durch den Alltag, jedes Fragezeichen, jede Herausforderung, jedes Leid – Tag für Tag, Schritt für Schritt im mutigen Weitergehen trotz offener Fragen. Wer hofft, rechnet mit Gott. Und wer mit Gott rechnet, darf Zukunft erwarten. So beginnt das Jahr für mich nicht mit der Forderung, alles neu und besser zu machen. Es beginnt für mich mit Gottes Einladung, mich tragen zu lassen. Aus der christlichen Hoffnung heraus zu leben, heißt für mich, zuversichtlich sein und darauf zu vertrauen, dass Gott mich sieht, für mich da ist und auch in diesem Jahr Spuren seiner Liebe hinterlässt – eher leise und zart, aber durchaus verlässlich.

