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MK 3, 20-35:Der Widerspenstige

Ein Bibeltext erschließt sich manchmal durch eine Begegnung oder einer Erfahrung im Alltag.
Datum:
3. Juni 2024
Von:
Friedhelm Wessling

Beim Durchlesen des Sonntagsevangeliums habe ich ein großformatiges Christusbild vor Augen, das mich in einer Ausstellung zum Thema „kreuzweise“ beim Katholikentag in Erfurt besonders ansprach. Es zeigt einen Kopf Jesu, der unter Strichen, Verwundungen und Narben gealtert und teilweise unkenntlich ist. Die Augen verlieren sich im Dunkeln und der Mund ist zur Sprachlosigkeit entstellt. Die Haare stehen zu Berge – einzig der Nasenrücken und die Stirn leuchten hell aus einem geschlagenen Gesicht. Jesu Worte sind verstummt, er traut seinen Augen gegenüber der Welt und uns Menschen nicht mehr. Einzig sein Geist scheint hellwach.
Und genau dieses Bild trifft die Aussage und Stimmung im Sonntagsevangelium. Da ist von Gewalt, Dämonen, Satan, Spaltung, Plünderung, Vergehen, Lästerung und unreinem Geist die Rede.
Da machen sich seine Mutter und Verwandten auf, um Jesu zurückzuholen, weil sie denken „Er ist von Sinnen“. Er lässt die besorgte Verwandtschaft abblitzen, als er ihnen zu verstehen gibt: Derjenige ist meine Mutter und mein Bruder, der den Willen Gottes tut!
Ja, Jesus eckt an, er kommt in Teufels Küche und nimmt keine Rücksicht auf seine Familie. Er bleibt bis heute unverstanden, weil wir es nicht schaffen aus seinem Geist zu leben. Er ist den Weg gegangen, der für uns viel zu oft im Dunkeln liegt.
Übrigens das eingangs erwähnte Bild trägt den Titel: „Der Widerspenstige“.

Friedhelm Wessling, Gemeindereferent