Fixpunkt, erschienen in der RZ am 24.07.2026:Von der Nähe Gottes

Mehr als die Hälfte der rheinland-pfälzischen Sommerferien sind bereits vorbei. Viele Familien nutzen diese Zeit, um miteinander in Urlaub zu reisen. Urlaub bedeutet für viele, Abstand zu nehmen von den Sorgen des Alltags, ferne Länder zu entdecken oder einfach die Seele baumeln zu lassen.
Manchmal schleicht sich das Gefühl ein, dass auch Gott Urlaub macht. Es scheint, als sei er weit weg von unserem Alltag, unseren Sorgen und Ängsten. Oft mache ich die Erfahrung, dass sich Gott nicht in den sonnigen, sondern gerade in den schwierigen Zeiten meines Lebens als Halt und Orientierung erweist. Das weiß auch der Beter von Psalm 73: „Gott nahe zu sein, ist gut für mich.“ (Ps 73,28) Und er ergänzt: „Ich habe GOTT, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht.“ Diese Aussage ist im hebräischen Urtext noch viel eindrucksvoller, da hier der Gottesname יהוה JHWH (der Seiende) steht. Man könnte den Satz daher auch so übersetzen: „Ich habe den Herrn, der bei mir ist, zu meiner Zuflucht gemacht.“ In seinem Gott-nahe-sein erkennt der Beter die Größe und die Möglichkeiten Gottes, der eben keinen Urlaub von uns Menschen macht, sondern sich als der Mit-Seiende erweist.
Von dieser Erfahrung erzählt auch folgende Geschichte: Ein Junge fragt seinen Vater, wie groß Gott eigentlich sei. Ohne zu antworten, zeigt der Vater in den Himmel und fragt: „Siehst du das Flugzeug da oben?“ Und der Junge antwortet: „Ja, es ist ganz klein!“ Zusammen fahren die beiden zum nächstgelegenen Flughafen und der Vater zeigt auf ein Flugzeug, das gerade gelandet ist. „Und jetzt?“ – „Jetzt ist es riesengroß!“, staunt der Junge. „Siehst du“, entgegnet der Vater, „wie groß Gott ist, hängt davon ab, wie nahe du ihm bist.“
Für die vor uns liegende Ferien- und Urlaubszeit wünsche ich uns allen, dass wir Gott nicht zu Hause lassen, sondern ihn im Handgepäck mitnehmen, damit er in unserem Alltag dabei ist, in den schweren, aber besonders auch in den schönen Zeiten. Und vielleicht teilen auch wir dann die Erkenntnis des alttestamentlichen Beters: „Gott nahe zu sein, ist gut für mich.“

